April 16

Dienstag, 26. April 2016

Ich sehe eine Art grüne Hecke. Dazwischen blühen rosafarbene Blumen. Am Boden liegen Steinplatten die einen festen, guten Stand ermöglichen. Daneben steht ein Haus in dem offenbar eine Familie wohnt. Es hat Kinderspielgeräte und eine Schaukel an einer Stange.

Eine junge Frau tritt lachend ins Freie, hinter ihr folgen Kinder: ein Junge und ein Mädchen. Das Mädchen spielt mit Seifenblasen, die es selber erzeugt.

Der Junge schaut nachdenklich, fast traurig zu  Boden. Ein Holzspielzeug ist kaputt. Er zeigt es seiner Mami. Die nimmt den Buben an der Hand und geht mit ihm zum Rand des Grundstücks. Sie zeigt ins freie Land, wo viele Häuser zu sehen sind: eine kleine Stadt. Die Mutter sagt dem Kleinen, da gibt es noch viele Spielzeuge und viele Möglichkeiten die Zeit bei frohem Tun zu verbringen. Vor ihr erscheint nun ein Baum in voller Blüte. Die Frau erklärt, dass hier bald feine, süsse Kirschen hängen werden.

Sie sagt, Dinge loslassen müssen und Abschied nehmen gehöre zum Leben. Aber das Leben beschenke uns auch immer wieder neu und mit Wunderschönem.

Jetzt erscheint so eine Art Eingang zu einer kleinen Höhle. Nur Kinder  können da durch. Erwachsene haben zu wenig Platz. Die Frau ermuntert ihren Jungen in die Höhle zu kriechen um zu schauen ob etwas für ihn drin sei.

Der lacht und klettert durch den Eingang. Dann hört man ihn kreischen vor Vergnügen. Er kommt heraus und zeigt seiner Mutter einen farbigen Ball zum spielen. Bald lachen die Kinder und springen umher.  Das kaputte Holzspielzeug ist für den Moment vergessen.

Die Mutter nimmt die kaputten Teile in die Hand und wird nachdenklich. Eigentlich möchte sie das Material nutzen und etwas Neues daraus machen.

Plötzlich lächelt sie. Statt eines kleinen Lastwagens wird es nun eine Wiege sein. Mit etwas Stoff und ein paar Handgriffen lässt sich das Teil umbauen.

Sie lächelt und bedankt sich für den guten Einfall. Ihr Partner erscheint in der Tür. Er trägt einen dunklen Anzug und einen Aktenkoffer. Als die Frau ihm ihre Idee erläutert lacht er. „Es wird also ein Mädchenspielzeug?“  „ Nein“, sagt die Frau. „Auch Männer können Kinder betreuen. Das kann man nicht früh genug lernen.“

„Stimmt“, antwortet der Mann; „Ich habs ja auch gelernt und kann meine Erfahrungen nun im Beruf einbringen. Und ich komme gerne nach Hause, weil wir hier eine richtige, gesunde Familie sind!“

Er entledigt sich der förmlichen Kleider und zieht etwas Bequemes an. Und strahlt übers ganze Gesicht, als er die Kinder spielen sieht.

Da kommt ein Wesen daher, weder Mann noch Frau, und grüsst die beiden. Es hat eine Schriftrolle in der Hand und rollt sie auf. Es deutet auf Symbole und Zeichen und bittet die beiden, die Deutungen dafür zu erlernen. Dann ist es weg.

Vom Himmel strahlt ein Licht in den Garten. Ein kleines Kind schwebt nieder und steht sofort auf. Es fuchtelt mit den Armen und schimpft  vor sich hin. Die Frau und der Mann schauen  sich fragend an.

„Nun“, sagt das Kind; „ es läuft nicht immer so reibungslos harmonisch, wie ihr das gerne hättet. Ihr braucht hie und da etwas Unerwartetes, damit ihr aktiv und lebendig bleibt. Ich bin der Joker, der euer Leben hie und da durch wirbelt.“ Damit verbeugt er sich und geht weg, indem er noch ruft: „Ich komme wieder!“

„Wow“, meinen die beiden; „dann lass uns mal schauen und aufräumen.“ Die Farben der Natur ringsum sind nun klar und schön, als ob alles mit neuer Energie geladen wäre. Das Paar ist dankbar für alles Gute, das ihm blieb, auch für ihre Liebe zueinander. Sie schauen einander in die Augen und erkennen dadurch in der Seele des andern eine tiefe, starke Kraft.

Eine Deutung!

Da ist sicher mal der Hinweis auf den Wert einer gesunden Gemeinschaft, die durch die Familie symbolisiert ist. Das Kindliche in uns hat es nicht gern, wenn unsere Spielzeuge kaputt gehen. Dass hier das Thema Loslassen und Aufgeben Müssen enthalten ist, scheint  klar.

Die Mutter, als Bild der reifen, nährenden Frau gibt den Rat, den Blick zu öffnen und nicht nur das zu sehen, was zerstört ist. Mir fällt da die heutige Welt ein, die in den letzten Jahren eine grosse Veränderung erfahren hat. Viele Werte wurden zerstört oder zumindest in Frage gestellt.

Die Stadt ist wiederum ein Symbol von Menschen, die sich nahe sind, von einer Gemeinschaft. Der blühende Baum ist ein altes Frühlingssymbol und bedeutet wieder erwachte Lebenskraft. Gerade jetzt im Frühling werden wir uns des neuen Wachstums bewusst.

Dann kommt die Höhle. Nur ein Kind kann da durch, was wiederum für kindliche Spontanität und Entdeckerfreude steht. Die braucht es, um Neues zu finden. Im Verborgenen (im Innern) findet man, was man braucht und was einem jetzt gerade gut tut.

Dann kommt der Wunsch ins Spiel, aus etwas Zerbrochenem etwas Neues zu schaffen. Mit andern Worten: man muss also nicht nur Neues schaffen, sondern kann überlegen, wie aus den Scherben etwas Nützliches oder Schönes gemacht werden kann, auch aus den Scherben unseres Lebens oder unserer Zeit. Und daraus entsteht z.B. die Einsicht, dass auch Männer Betreuungsaufgaben übernehmen können und daran sogar wachsen und Freude haben. Es gibt sicher noch viele Beispiele zum Thema Scherbenverwertung.

Der Auftritt der weisen Person mit der Schriftrolle ist wahrscheinlich die Aufforderung, die Zeichen der heutigen Zeit verstehen zu lernen. Wir werden dazu immer wieder aufgefordert.

Das Unerwartete, der Kobold oder Joker, der zuerst Altes durcheinander bringt, hat eine weise Funktion. Es zwingt uns zum Hinschauen und neu Ordnen.

Was als kraftvolles Bild zum Schluss geschenkt wird ist, dass wenn wir einander in die Augen schauen es die tiefe Gewissheit in uns weckt, dass wir die Kraft und Energie haben, die heutigen Herausforderungen zu meistern.

Ich wünsche Ihnen und mir diese Kraft von Herzen.

Marie Anne Vido.  Fertig gestellt Dienstag, 26. April 2016

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